Die Generationentheatergruppe Ohne Vorhang stellt sich vor:

 

Der Name Ohne Vorhang drückt die Haltung aus, kein Illusionstheater, sondern ein realitätsbezogenes und kritisches Theater auf die Bühne zu bringen. 

Die Stücke sind hausgemacht, d.h. dass alles, aber auch wirklich alles aus der Gruppe kommt: Thema, Handlung, Personen, Text sowie Musik, Bühnenbild und Kostüme.

Weitere wichtige Kennzeichen und Prinzipien des Generationentheaters: Alle können alles spielen, d.h. auch der ältere Mann kann ein kleines Kind spielen, auch die junge Frau kann einen älteren Mann spielen; jede und jeder ist aufgefordert, auszuprobieren, was in ihm oder ihr steckt. Denn wir alle haben alles in uns, wir können das auf der Bühne leben, was wir in der Realität nicht sind.Und es ist viel interessanter, jemand anderen zu spielen als sein eigenes Spiegelbild.

 

Beispiel 1: Im Stück „Bestiarium“,das eine Szene enthält, in dem alte BewohnerInnen eines Heims mit ihrem jeweiligen Betreuer eine Auseinandersetzung haben, wurden die Alten von unseren Jüngsten gespielt, die Älteren und Mittleren waren das Pflegepersonal. Das hatte den bekannten Verfremdungseffekt, dass einerseits die Szene viel absurder und schriller und gleichzeitig der Eindruck vermittelt wurde, dass in unserer Gesellschaft Alte wie Kinder behandelt werden.

Beispiel 2: Im Stück „Beziehungsweise“ haben einige Männer Frauen gespielt und umgekehrt: Ein Mann spielte eine liebende Hausfrau, deren Mann von einer Frau gespielt wurde, die wiederum als Mann sich in einen anderen Mann  verliebte, wodurch man ein homosexuelles Paar sah, das aber aus Mann und Frau bestand. Die Verunsicherung der ZuschauerInnen war ziemlich groß, was auch unsere Absicht war. Denn durch die Rollenvertauschung werden männliche und weibliche, heterosexuelle und homosexuelle Klischees und Zuschreibungen in Frage gestellt.

 

Ein Markenzeichen der Gruppe ist der schwarze Humor. Skandalöse Zustände so aufzuzeigen, dass ein moralischer Zeigefinger weder nötig noch sichtbar ist, die ZuschauerInnen sich aber im Zerrspiegel erkennen und über sich lachen können, das liegt der Gruppe besonders.In der bislang letzten Produktion „Stille Wasser“ gibt es eine korrupte Bürgermeisterin und einen nicht weniger korrupten Polizeichef sowie einen korrumpierten Ethikkommissar, die sich alle drei am Allgemeingut Wasser bereichern wollen.

Ein weiteres Merkmal der Gruppe: Es gibt keine Haupt- und Nebenrollen und es gibt vor allem keine Stars. Dieser Grundsatz ist besonders wichtig, weil deutlich wird, dass es um die gemeinsame Entwicklung einer Inszenierung geht, dass es also um einen Prozess geht, in dem viele Kompetenzen gefragt sind und alle gleich ernst genommen werden. Das Wesentliche ist das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt, mit dem sich alle identifizieren können. Die gemeinsame Arbeit hat als Ziel die Präsentation des Ergebnisses.